
Die trefferspezifischen Daten werden zweckmäßigerweise direkt auf der Zielscheibe notiert. Dadurch stehen die Daten immer bei den zugehörigen Treffern. Hierfür verwende ich, wo immer möglich, meine Anschussscheibe im DIN A4-Format (siehe Downloads). Alternativ schreibe ich die Daten formlos auf eine beliebige andere Zielscheibe. Die beschossenen und beschrifteten Scheiben lege ich dann nach Waffe separiert in einem Stehordner ab, dieser ergibt dann den „stationären“ Teil meiner Trefferdokumentation.
In manchen Fällen ist das Beschriften der beschossenen Zielscheiben nicht möglich oder zumindest nicht sinnvoll. Das ist beispielsweise bei großen Schussdistanzen und damit großen Scheiben oder bei elektronischen Trefferauswertungen ohne Drucker der Fall. Hierfür habe ich in meinem Datenbuch immer einige schematische Zielscheiben im DIN A6-Format (siehe Downloads) dabei. Darauf können alle Treffer übertragen und sämtliche Daten sauber dokumentiert werden.
Welche Daten sind für die Trefferdokumentation relevant?
Eindeutige Bezeichnung der Waffe, Mündungsaufsatz, Schalldämpfer

Die Waffe muss eindeutig bezeichnet werden und für den Fall, dass an dieser Waffe z.B. im Wechsel ein Mündungsfeuerdämpfer und ein Schalldämpfer verwendet wird, muss auch das vermerkt werden (z.B. Ase Utra Bore Lock System). Fast jeder Mündungsaufsatz sorgt für eine gewisse Abweichung der Treffpunktlage.
Schütze, Anschlag und Waffenauflage
Je nach Schütze, Anschlag und Waffenauflage kann sich die Treffpunktlage etwas ändern. Hier notiere ich grundsätzlich nur Abkürzungen, das beschleunigt den Ausfüllvorgang. Der Anschlag kann z.B. sitzend, sitzend am Tisch, stehend oder liegend sein. Als Auflage dienen z.B. Sandsack, Zweibein oder Einießbock.
Wetterdaten: Lufttemperatur, Windstärke und -richtung, relative Luftfeuchtigkeit, Luftdruck
Die wichtigsten Wetterdaten sind der Wind und die Temperatur. Die Windrichtung kann relativ leicht ohne elektronische Hilfsmittel bestimmt werden, sie wird in den vorgegebenen Kreis auf der Anschussscheibe eingetragen. Je nach Segment beeinflusst der Wind die Seitenabweichung so gut wie gar nicht (0), nur mit der halben Geschwindigkeit (1/2) oder voll (1). Diese Einteilung ist zwar relativ grob, aber ein guter Kompromiss zwischen Praxistauglichkeit und Präzision. Die Windgeschwindigkeit kann im Bereich des Schützen mit einem Anemometer gemessen oder anhand verschiedener Merkmale in der Umgebung grob abgeschätzt werden. Die weiteren Wetterdaten sind nur für größere Entfernungen relevant. So gewinnt der Luftdruck erst ab 450 m und die Luftfeuchte erst ab 900 m Entfernung einen nennenswerten Einfluss (außer man bewegt sich in unterschiedlichen Höhenlagen). Für diese Distanzen ist die Scheibe im A4 Format jedoch zu klein, weshalb es auch keine Felder für diese Werte gibt.

Entfernung
Ohne Entfernungsangabe ist das Schießergebnis nutzlos.
Geschosstyp und -gewicht
Der Geschosstyp und damit die Form haben einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Flugbahn. Ebenso das Geschossgewicht.
Pulvertyp, Pulvermenge, Hülsentyp, Hülsenvolumen und Setztiefe bzw. OAL
Diese Informationen sind für Wiederlader relevant, um verschiedene Laborierungen vergleichen zu können. Das Hülsenvolumen sollte vor allem bei kleinen Hülsen ermittelt werden, da etwaige Differenzen einen erheblichen Einfluss auf die Mündungsgeschwindigkeit haben können. Siehe auch Hülsenmasse und Volumen.
Los-Nummer
Die Losnummer der Munition bzw. des Pulvers. Mit einem anderen Los können sich Treffpunktlage und Präzision deutlich ändern.

Ort/Datum und Zweck
Neben Ort und Datum sollte auch der Zweck des Schießens notiert werden. Zu einem späteren Zeitpunkt lässt sich dadurch leichter nachvollziehen, wo der Fokus bei den vorliegenden Treffern lag.


Optik und Einstellung
Gerade wenn man auf einer Waffe mehr als eine Optik einsetzt, muss der Typ der verwendeten Optik notiert werden. Das Vermerken der jeweiligen Einstellung versteht sich von selbst. Bei Gläsern oder Leuchtpunktvisieren ohne beschriftete Skala ist das leider etwas aufwändiger, aber dennoch unumgänglich. Ansonsten ist ein Vergleichen von Treffpunktlagen einfach nicht möglich.
Wie lässt sich das halbwegs pragmatisch bewerkstelligen?

Bei Optiken ohne beschriftete Skala in der Verstellung drehe ich die Einstellschrauben „Seite“ und „Höhe“ jeweils bis zum Anschlag nach links bzw. unten, wobei ich die Anzahl der Klicks zähle. Leider lässt sich der Anschlag oft nicht so genau definieren, da ab einem gewissen Punkt die Einstellung einfach nur zunehmend schwergängig wird. Darüber hinaus darf die Schraube auf keinen Fall weitergedreht werden, da sonst die Optik beschädigt werden kann. Um dennoch einen sauberen Nullpunkt zu erhalten, drehe ich die Schraube wieder in die andere Richtung, bis der Schraubenschlitz parallel zur Schussrichtung ausgerichtet ist (Klicks zählen!). Das ist dann mein definierter Nullpunkt. Nun kann ich klickzählenderweise wieder die ursprüngliche Einstellung vornehmen und erhalte Zahlenwerte für meine Einstellung, z.B. „75 hoch“ und „82 rechts“.
Wenn man nun jede Änderung an der Einstellung sauber notiert, muss man diesen Vorgang normalerweise nicht wiederholen. Sollte man sich dennoch mal nicht mehr sicher sein, dreht man die Schraube einfach zum definierten Nullpunkt und zählt dann die Klicks bis zur gewünschten Einstellung. Als Vereinfachung können auch ganze Umdrehungen der Einstellschrauben gezählt werden. Dabei muss man jedoch aufpassen, da manchmal die Anzahl der Klicks pro Umdrehung bei Höhen- und Seiteneinstellung unterschiedlich sind.
Munitionsdaten und Auswertung
In den Feldern TPL 1 bis 5 auf der Anschussscheibe können entsprechend der fünf Zielkreise fünf Treffpunktlagen (TPL) ausgewertet werden. In der obersten Zeile wird dazu jeweils das Kriterium notiert, das die verwendeten Laborierungen voneinander unterscheidet. Also z.B. die Pulverladung oder die Munitionssorte. In der zweiten Zeile wird dann die Treffpunktlage notiert, also z.B. „3 hoch“ und „2 rechts“. In der dritten Zeile kann nun die korrigierte Optik Einstellung ermittelt werden. In unserem Beispiel wären das „72 hoch“ und „80 rechts“. In der letzten Zeile können Streukreis und Schussanzahl notiert werden.
Im Notizfeld können weitere Besonderheiten vermerkt werden, z.B. die Teilung der Optikverstellung (0,1 mrad oder diverse MOA Bruchteile wie ¼ MOA oder ½ MOA).